Der folgende Artikel gibt ausschließlich die persönlichen Erfahrungen und die Meinung von Britta Benecke aus Scharmbeck wieder.
Der Hof Benecke in Scharmbeck (Jan und Hermann Benecke) macht sich diese Inhalte nicht zu eigen und teilt die darin beschriebenen Ansichten nicht. Die Autorin bittet dringend darum, von Kontaktaufnahmen über den Hof Benecke abzusehen.
Wer Kontakt zu ihr aufnehmen möchte, kann dies gerne über den Inhaber dieser Internetseite unter info@fuer-sinnvolle-energie.de tun.
Wie alles begann
Ich wohne in unmittelbarer Nähe zum 2018 fertiggestellten Windpark Scharmbeck. Dort stehen sieben Windenergieanlagen des Typs Nordex N131/3300 – gewaltige Konstruktionen mit jeweils 3,3 MW Leistung, einem Rotordurchmesser von 131 Metern und einer Nabenhöhe von 134 Metern. Für unseren Landkreis Harburg gehören sie zu den höchsten Anlagen überhaupt.

Unser landwirtschaftlicher Hof liegt am Ortsrand, mitten im Außenbereich. Schon vor 2018 standen westlich von uns drei kleinere Windräder in Autobahnnähe. Sie waren rund 1,7 Kilometer entfernt, ihr Bau verlief recht unauffällig. Wir hörten sie nie. Sie standen einfach da, leise und unspektakulär – und produzierten Strom. Ich fand sie weder störend noch hässlich. Im Gegenteil: Ich dachte damals, wie wunderbar man mit Windkraft Energie erzeugen kann. Windräder wirkten für mich friedlicher als Atomkraftwerke. Weiter hatte ich nicht gedacht.
Mein früherer Blick auf Windenergie
Dass man für den Ersatz eines Atomkraftwerks weit über tausend Windräder braucht – diesen Gedanken hatte ich nie zu Ende geführt. Und auch nicht, welche Auswirkungen ein solcher Ausbau auf Böden, Landschaft, Tiere und Menschen haben kann: Luftverwirbelungen, Bodenverdichtung, Abrieb, Lärm, Infraschall, Entsorgungsprobleme. All das war mir fremd. Rückblickend muss ich sagen: Ich war naiv.
Als angekündigt wurde, dass fünf weitere Windräder bei uns in die Wiesen kommen sollten – später wurden es sieben – dachte ich nur: Irgendwo müssen sie ja hin. Die drei alten störten mich schließlich auch nicht. Die neuen sollten genau zwischen uns und den bestehenden Anlagen stehen. Weitere acht Richtung Osten, hinter unserem Wald, rund 2,5 Kilometer entfernt.
Der Bau – Faszination und Schock zugleich
Heute wünschte ich, jemand hätte mich damals wachgerüttelt. Ich hätte mich gewehrt. Jetzt jedoch wohne ich in unmittelbarer Nähe des Windparks und kann nichts mehr daran ändern. Vier Anlagen stehen rund einen Kilometer entfernt, die anderen drei knapp 1,5 Kilometer. Beim Bau war ich erstmals schockiert, wie viel Natur zerstört wurde. Es wurden große Knicks gerodet und uralte Eichen gefällt, Böden verdichtet. Und dann kam der Bau, der – zugegebenermaßen – von Zeit zu Zeit sogar recht spannend war: etwa, als nachts die riesigen Rotorblätter mit Sondertransporten geliefert wurden. Sie wurden am Ortsrand über unseren Acker gezogen, der dafür extra mit enormen Erdbewegungen und Bodenaustausch aufwendig befahrbar gemacht wurde, weil die Kurve sonst nicht zu schaffen gewesen wäre. Und dann wuchsen und wuchsen die Türme in eine für mich unfassbare Höhe.

Als der Lärm begann
Erst da dämmerte mir, dass ich die Dimensionen unterschätzt hatte. Meine größte Sorge galt zunächst dem Schattenschlag – ein Problem, das sich im Alltag als eher gering herausstellte. Er tritt zwar morgens im Sommer und Herbst auf, verschwindet aber schnell, sobald die Sonne höher steigt.
Doch dann kam der Tag, an dem ich ein Rauschen hörte – wie ein Flugzeug am Himmel. Nur dass es nicht aufhörte. Ich ging hinaus und begriff: Es waren die Windräder. Mal lauter, mal leiser – aber fast immer da. Und das, obwohl der Park östlich liegt und damit nicht einmal in der Hauptwindrichtung.
Wenn besonders im Herbst und Winter der Wind ungünstig steht und es stürmt, ist das Geräusch fast ohrenbetäubend. Dann hört man auch den rhythmischen Schlag der Rotorblätter deutlich. Es ist ein raumgreifendes, allgegenwärtiges Geräusch – nicht nur der Sturm, der ums Haus tost.

Verlorene Ruhe – im Wald und auf den Wiesen
Ich bin gerne oben im Pattensener Wald unterwegs – ich liebe diese Ruhe, den Duft des Waldes und den weichen Boden unter den Füßen. Doch sobald der Wind geht, ist es dort nun nicht mehr friedlich. Das Rauschen der Windräder, zusammen mit dem Pfeifen der Rotoren, trübt die Stille spürbar, und da der Wind häufig von Westen kommt, ist es nur selten wirklich ruhig.
Auch Spaziergänge durch die Wiesen haben für mich viel von ihrer friedlichen Qualität verloren, weil sowohl das ständige Rauschen als auch die optische Bewegung der Rotoren eine unterschwellige Unruhe erzeugen.
Wenn die Räder stehen – und was das über unser Energiesystem zeigt
Im Sommer, wenn die Sonne scheint, kann man meist los. Dann stehen die Windräder erstaunlich oft still – selbst bei einer frischen Brise. Offenbar sind sie dann abgeschaltet, vermutlich weil die PV‑Anlagen ausreichend Strom liefern und gleichzeitig wenig verbraucht wird.
Für mich zeigt das eindrucksvoll, wie widersprüchlich und zugleich fragil unser heutiges Energiesystem geworden ist – und welche Folgen entstehen, wenn Windkraftanlagen und große PV‑Flächen auf landwirtschaftlichen Böden zusammenkommen.
Eisschlag – ein Warnschild ohne Sicherheit
Interessant – oder eher irritierend – finde ich die Schilder an den Wirtschaftswegen in der Nähe der Windräder: „Vorsicht, Eisschlag!“. Zwei davon stehen genau an dem Weg, den viele Scharmbecker Kinder täglich mit dem Fahrrad zur Schule nach Roydorf nutzen. Was „vorsichtig“ in diesem Zusammenhang konkret bedeuten soll, bleibt allerdings unklar – man sieht ja nicht, ob oder wann sich vereistes Material von den Rotorblättern löst. Im Grunde bleibt nur, den Weg bei Frost zu meiden. Ein Warnschild schafft nur Aufmerksamkeit, aber keine wirkliche Sicherheit.
Das Brummen – die nächtliche Belastung
Am schlimmsten ist jedoch dieses tiefe, unterschwellige Brummen, das ich nachts im Bett höre. Tagsüber geht es im Alltag unter, aber nachts liegt liegt es wie ein an- und abschwellender, leiernder Ton in mir. Gegen das Rauschen der Windräder helfen Ohrstöpsel – gegen dieses Brummen nicht.
Anfangs suchte ich die Ursache im Haus: Kühlschrank? Heizung? Irgendein Gerät? Bis ich schließlich verstand: Es kommt von draußen. Von den Windrädern. Und die Erkenntnis, dass ich dagegen machtlos bin, hat mich hart getroffen. Ich frage mich oft, wie Tiere damit zurechtkommen müssen – mit ihrer empfindlicheren Wahrnehmung.
Bin ich die Einzige? – Erfahrungen aus dem Ort
Man könnte denken, ich bilde mir dieses Brummen ein, da ich die Einzige im Haus bin, die es hört. Doch andere Bewohner im Ort berichten das Gleiche – obwohl sie teilweise weiter entfernt wohnen. Nicht alle hören es, aber diejenigen, die es tun, beschreiben genau das, was auch ich wahrnehme. Das beruhigt mich insofern, als dass ich weiß: Ich bilde es mir nicht ein. Und ich hatte anfangs keineswegs eine negative Haltung gegenüber Windkraft.

Recherchen, Sorgen und offene Fragen
Wegen des Hofes war ich lange an den Ort gebunden. Wegziehen war keine Option. Ich arrangierte mich, wechselte den Schlafraum, versuchte, weniger darüber nachzudenken. Doch irgendwann begann ich zu recherchieren. Infraschall, Resonanzen im Gebäude – vieles ist umstritten, manches nicht abschließend erforscht. Aber manches davon scheint mir plausibel.
Dazu kommen weitere Sorgen: der Abrieb der Rotorblätter, die möglichen Mikropartikel, unsere Kühe, unsere Böden – Fragen, auf die ich keine Antworten bekomme.
Veränderte Natur – veränderte Gesundheit
Auch die Natur wirkt verändert. Früher kreisten Milane über unseren Wiesen. Jetzt sehe ich sie kaum noch.
Und gesundheitlich? Jahrelang hatte ich niedrigen Blutdruck. Seit einiger Zeit habe ich plötzlich Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache. Ob es einen Zusammenhang gibt, kann niemand beantworten. Aber der Gedanke lässt mich nicht los.
Mein heutiger Blick
Heute stehe ich Windkraftanlagen kritisch gegenüber. Hätte ich damals gewusst, was auf uns zukommt – ich hätte mich gewehrt. Ich hätte mir so gewünscht, jemand hätte mich vorher aufgeklärt.
Abschließender Hinweis
Dieser Artikel spiegelt meine damaligen persönlichen Erlebnisse und Gefühle im Zusammenhang mit dem Windpark Scharmbeck wider. Er ist keine technische Analyse und keine allgemeine Aussage über Windenergie, sondern die Beschreibung einer individuellen Erfahrung. Es ist mir wichtig, dass diese Schilderungen als subjektive Sichtweise verstanden werden.
Aus persönlichen Gründen bin ich im Frühjahr 2025 vom Hof weggezogen und wohne nun rund einen Kilometer entfernt und etwas höher gelegen. Auch an diesem neuen Wohnort nehme ich das nächtliche, unterschwellige Leiern weiterhin wahr. Nicht mehr so stark wie zuvor, aber noch immer deutlich. Die Windgeräusche sind verschwunden, das Brummen jedoch nicht. Ich hatte gehofft, es würde anders kommen.
Im Herbst 2025 verbrachte ich eine Woche in den Bergen Korsikas – nur mit Zelt, mitten in der Natur. Dort habe ich bewusst in mich hineingehört, um herauszufinden, ob dieses Brummen vielleicht doch in mir selbst entsteht. Dem ist nicht so. Die Stille dort oben war vollkommen, und die Nächte ohne rot blinkende Lichter waren ein tiefes Aufatmen. Diese Erfahrung hat mir bestätigt, dass die nächtliche Belastung tatsächlich von den Windrädern herrührt – und nicht eingebildet ist.
Britta Benecke, Scharmbeck